[Artículo del Léxico internacional de Bettina Kümmerling-Meibauer, Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Ein internationales Lexikon, editado en J. B. Metzler, Stuttgart - Weimar, 1999. La autora y la editorial autorizaron gentilmente la reproducción, con algunas correcciones, de este artículo.]

"Paz, Marcela"

(d. i. Ester Huneeus Salas)

[Aus dem Stichwort "Paz, Marcela"
...des Lexikons von Bettina Kümmerling-Meibauer, Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Ein internationales Lexikon, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart - Weimar, 1999. Mit Genehmigung der Autorin und des Verlags. Leicht ergänzt und überarbeitet.]

Paz stammte aus einer wohlhabenden Familie. Ihr Vater Francisco Huneeus, dessen Vorfahren aus Deutschland eingewandert waren, war Ingenieur bei der chilenischen Eisenbahngesellschaft. Sie wuchs mit sechs Geschwistern in Santiago de Chile auf. Als junge Frau arbeitete sie als Journalistin. Ihre Artikel und Kinderbücher schrieb sie unter verschiedenen Pseudonymen (Marcela Paz, Paula de la Sierra, Luki, Retse, Juanita Godoy, Picadilly). 1935 heiratete sie den Ingenieur José Luis Claro. Das Ehepaar bekam fünf Kinder. 1959 gründete sie die Zeitschrift Pandilla. Außerdem war sie Herausgeberin der Kinderbeilage von La Nación. 1964-67 war sie Präsidentin der chilenischen IBBY-Sektion.

Seit 1986 wird der nach ihr benannte chilenische Kinderbuchpreis verliehen.

Auszeichnungen:

Premio Sanidad 1927; Premio Club Hípico 1934; Premio Andino 1934; Premio de Honor Rapa Nui 1947; IBBY Honor List 1968; Medalla de Oro, Instituto Cultural de Providencia 1979; Selection des Treize FOCS-OCL, 1980; Diploma de Honor de la Ilustre Municipalidad de Santiago 1981; Premio Nacional de Literatura 1982; Premio Concurso Convenio Andrés Bello, Ministerio de Educación 1983.

Papelucho

(span.; Papierwisch). Kinderbuch in Tagebuchform, erschienen 1947 mit einem Titelbild und Illustrationen von Yolanda Huneeus ("Yola"), einer Schwester der Autorin.

Entstehung:

Die Anregung zu ihrem ersten Papelucho-Buch hat Paz ihrem Mann zu verdanken. Er hatte ihr einst zur Verlobung ein leeres Tagebuch geschenkt, in das sie Erlebnisse des Lausbuben Papelucho schrieb, dessen Eltern sich gerade trennen. Paz verarbeitete Erlebnisse aus ihrer Kindheit; Paz reichte das fertige Manuskript bei einem Wettbewerb (Concurso Rapa Nui) ein und erhielt eine Ehrenauszeichnung.

Inhalt:

Bei dem Buch handelt es sich um die Tagebuchaufzeichnungen des neunjährigen Papelucho, der aus wohlhabendem Haus stammt (in der ursprünglichen Fassung sind seine Eltern geschieden, aber auf Anraten des Verlages nahm Paz von dieser Idee wieder Abstand). Auf einen Vorschlag der Haushälterin Domitila hin vertraut er seinem Tagebuch alle Geheimnisse an, um sein Gewissen zu erleichtern.

Die Aufzeichnungen beginnen am Tag vor dem 1. Januar, kurz von den Ferien am Meer (in Chile dauert der Sommer von November bis März) und enden am 16. Mai. Papelucho führt genau Buch über seine Streiche und Erfindungen: er bestreicht ein Sandwich mit einer selbstgemixten, angeblich giftigen Paste, das versehentlich von Domitila aufgegessen wird; er trennt die Kabel von Telefon und Lampe und fügt sie verkehrt wieder zusammen, um zu sehen, ob man mit der Lampe telefonieren und mit dem Telefon Licht machen kann; einen Ölfleck auf der Hose versucht er dadurch zu kaschieren, indem er das ganze Kleidungsstück in Öl eintunkt usw. Für die Fahrt nach Viña del Mar nimmt er in seinem Koffer nur Spielsachen, aber keine Kleidung mit, weil er sowieso nur in der Badehose herumlaufen will.

Er belauscht zufällig ein Gespräch der Eltern und gewinnt irrtümlicherweise den Eindruck, dass die Mutter das Vermögen im Casino verspielt hat. Um seine Familie finanziell zu unterstützen, verkauft er wertvolle Kleidung, stellt sich als Bettler an den Straßenrand und beginnt im Wäscheschrank eine Krabbenzucht. Weil seine guten Taten immer missverstanden werden, läuft er heimlich weg. Der Hunger treibt ihn abends jedoch nach Hause zurück, wo niemand seine Abwesenheit bemerkt hat.

Nach den Ferien kommt Papelucho zusammen mit seinem älteren Bruder Xavier in ein Internat. Er freundet sich mit dem Arbeiter Ríos an, dem er auf Wunsch heimlich den Schlüssel zur Kapelle zusteckt. Diese wird von Ríos nachts ausgeraubt, der nichtsahnende Papelucho bekommt zum Dank ein Paar Gummisandalen geschenkt. Um sich das Geld für eine Scoutausrüstung zu verdienen, übernimmt er die Hausaufgaben der Mitschüler. Beim Sportunterricht bricht er sich ein Bein und muss wochenlang das Bett hüten. Sein Intimfeind Urquieta liest das Tagebuch heimlich mit seinen Kumpels und macht sich darüber lustig.

Als Papelucho einen anonymen Brief erhält, gründet er eine Zeitschrift, zu der alle einen Beitrag einreichen müssen, um auf diese Weise den Verfasser des Briefes zu ermitteln. Das Unternehmen wird aber durch den Schuldirektor, der sich über die frechen Artikel empört, abgeblasen. Papelucho versteckt aus Mitleid den Verbrecher "El Soquete" im Keller, der nach einer Schießerei mit der Polizei entkommt. Urquieta hat seine Drohung wahrgemacht, Papeluchos Tagebuch gestohlen und in den Papierkorb geworfen. In einem Postskriptum wird angemerkt, dass das Tagebuch von einem unbekannten Finder entdeckt und bei der Verlagsredaktion eingereicht wurde.

Bedeutung:

Der in Ich-Form geschriebene Roman zeichnet sich durch eine eigenwillige Syntax und Wortwahl aus, die zum komischen Effekt der Erzählung beitragen. Die Autorin bemühte sich dabei, den kindlichen Sprachstil mit allen seinen Fehlern und originellen Eigenheiten wiederzugeben, ohne durch Kommentare in die Darstellung einzugreifen. So erlebt der Leser die Ereignisse unmittelbar aus der Perspektive Papeluchos, dessen Name nur einmal erwähnt wird. Papelucho wird aber nicht nur durch seine Ausdrucksweise charakterisiert, sondern auch durch eine Logik, die sich oft von derjenigen der Erwachsenen unterscheidet.

Papelucho hat seine eigenen religiösen Vorstellungen über Gott, die Seele und die Nächstenliebe. Dies führt etwa dazu, dass er armen Leuten seine Kleidung oder Geld spendiert und selbst Verbrechern hilft, dafür aber von den Eltern bestraft wird. Mit seiner fast schon wissenschaftlichen Neugier evoziert er Katastrophen, die aber zumeist glimpflich ausgehen und von Papelucho lakonisch kommentiert werden. Vom Standesdünkel seiner Familie hebt er sich wohltuend ab, indem er sogar mit den sieben Kindern der armen Soto-Familie spielt, die in der elterlichen Wohnung ein Chaos anrichten.

Dank seiner überbordenden Fantasie, verwandelt sich das Krankenbett in ein Piratenschiff oder ein Gewitter in ein bedrohliches Gespenst. Er selbst dichtet sich verschiedene Rollen an, will aber am liebsten Seeräuber oder Schriftsteller werden. Unverständnis erntet er nicht nur bei den Eltern und Lehrern, sondern auch bei einige Mitschülern, die ihm schließlich sein Tagebuch entwenden und damit das abrupte Ende des Erzählung herbeiführen. In den nachfolgenden Bänden beginnt Papelucho immer wieder ein neues Tagebuch, das ihm jedes Mal auf unterschiedliche Weise abhanden kommt.

Rezeption:

Paz erhielt für ihre Papelucho-Serie mehrere Preise (u. a. den chilenischen Nationalpreis für Literatur)>. Die Autorin bekam körbeweise Fanpost von ihren Lesern. Der Erfolg veranlasste sie noch weitere elf Bände über Papelucho zu verfassen, von denen der fünfte Band (Papelucho en la clínica) nach Meinung einiger Kritiker der beste ist (Cruzat 1992). Papelucho wird mittlerweile als klassisches chilenisches Kinderbuch angesehen (in Chile erreichte das Buch mittlerweile über 46 Ausgaben) und ist zugleich eines der berühmtesten Kinderbücher Südamerikas. Einige Bände wurden in andere Sprachen (u. a. ins Französische, Russische Japanische und vor kurzem ins Italienische) übersetzt. In Frankreich gehörte Papelucho zur empfohlenen Lektüre an katholischen Schulen.

Ausgaben:

Santiago de Chile 1947.- Santiago de Chile 1974.- Santiago de Chile 1981.- Santiago de Chile 1991.- Santiago de Chile 2003.-

Fortsetzungen:

Papelucho casi huérfano. 1951.- Papelucho historiador. 1957.- Papelucho detective. 1960.- Papelucho en la clínica. 1960.- Papelucho perdido. 1962.- Papelucho: Mi hermana Ji. 1964.- Papelucho misionero, 1966.- Papelucho y el marciano, 1968.- Papelucho: Mi hermano hippie. 1971. Papelucho en vacaciones. 1972.- Papelucho: ¿Soy dislexo? 1974.

Werke:

Pancho en la luna. 1927.- Tiempo, papel y lápiz. 1933.- Soy colorina, 1935.- La vuelta de Sebastián, 1950.- Caramelos de luz. 1954.- A pesar de mi tía. 1958.- Muselina Pérez Soto. 1974.- Cuentos para cantar. 1974.- Los pecosos. 1976.- Perico trepa por Chile. 1978 (zus. mit A. Morel).- El soldadito rojo. 1981.- Los secretos de Catita. 1961.

Literatur:

V. Cruzat: Marcela Paz. Un mundo incógnito. Santiago de Chile 1992.