Ich habe Domitila gefragt, was sie tut, wenn sie ein furchtbares Geheimnis hat.
Es ist Nacht und ich sollte schon schlafen. Ich dachte an das, was Domitila gesagt hatte und beschloss, an "niemanden" zu schreiben, wie sie sagt, das ist, was andere ein "Tagebuch" nennen. Wenn ich das geschrieben habe, werde ich nicht mehr dauernd daran denken müssen.
Ich hatte in meinem Labor eine Flasche mit einer Erfindung. Sie war aus allerlei Dingen gemacht, darunter zwei Schachteln Zündhölzerköpfe, Spülmittel, Honig, etwas Öl, Gesichtscreme und Schiesspulver. Meine Idee war, zu schauen, was daraus würde, und deswegen machte ich damit ein Sandwich für eine gefrässige Maus.
Ich legte es auf den Tisch neben meinem Bett, aber als ich zurückkam, war es weg. Domitila erzählte mir dann, dass sie es gegessen habe. Natürlich konnte ich ihr nicht sagen, dass sie vergiftet war. Aber ich fragte sie, was sie wohl tun würde, wenn sie wüsste, dass sie sterben würde.
Sie sah mich an mit einem Eidechsen-Gesicht und fragte:
Selbstverständlich werde ich mich, wenn sie stirbt, der Polizei stellen müssen. Ich werde einen Brief an meine Eltern schreiben und dann werde ich mich stellen. Und, wenn ich die Strafe abgesessen habe, werde ich nicht mehr schuldig sein.
Im Gefängnis kann ich studieren, um Erfinder zu werden, da ich mein ganzes freies Leben dann fürs Erfinden haben werde. Und vielleicht, wenn ich das erfinde, was ich erfinden werde, begnadigen sie mich, und fertig.
Dieser Gedanke beruhigt mich. Aber was ich schrecklich finde, ist dieses Warten darauf, dass der Tod kommt. Das heißt, dass ich manchmal wünsche, dass sie bald stirbt, um meine Sachen endlich in Ordnung bringen zu können.
Beim Nachmittagstee habe ich empfunden, dass sie blass aussieht, und es wurde mir kalt im Bauch. Ich fragte sie, was mit ihr los war, und sie lachte auf.
Jetzt aber fällt mir gerade ein, dass es nicht wahr ist, dass sie das Sandwich gegessen hat und mich angelogen hat. Ich möchte glauben, dass sie, weil sie so eine Lügnerin ist, mir nochmal eine Lüge aufgetischt hat. Bei diesem Gedanken glaube ich, dass ich werde einschlafen können.
Domitila ist noch nicht gestorben ...
("Papelucho", erstes Kapitel.)