"Papelucho" ist ein Buch, oder besser gesagt, eine Reihe von Büchern, die Jung und Alt unterhalten und zum Lachen bringen, die zu einem Klassiker in der Kinderliteratur Chiles geworden sind und sich auf dem besten Weg befinden, das auch in weiteren Terrains zu werden.
Geschrieben von Ester Huneeus (1902-1985), einer chilenischen Autorin, unter dem Pseudonym Marcela Paz, präsentieren sich die Bücher als Tagebuch eines chilenischen Kindes aus der Mittelschicht der Hauptstadt Santiagos. Durch diese Thematik unterscheidet es sich von vielen Kinderbüchern, die sich in Fantasiewelten bewegen. Papelucho hat die Gabe, dem alltäglichen Leben Witz und Lebendigkeit abzugewinnen, was ihm durch seine überschäumende Phantasie, seinen Sinn für das Beobachten und für das Lächerliche auf originelle und kreative Weise gelingt. In diesem Sinne besteht eine gewisse Verwandschaft zu vielgelesenen Werken der europäischen Kinderliteratur, die sich ebenfalls mit dem täglichen Leben beschäftigen — denken wir nur an "Le petit Nicolas" von Goscinny und Sempé, an den William von Richmal Crompton (z. Bsp. "William the Conqueror") oder die Celia von Elena Fortún in Spanien (z. Bsp. "Celia y sus amigos").
Der Werdegang des Papelucho in Chile war sehr erfolgreich. Nachdem der erste Band einen zweiten Preis in einem Wettbewerb eines jungen, chilenischen Verlags namens "Rapa Nui" gewonnen hatte wurde er zum ersten Mal 1947 im selben Verlag veröffentlicht. Illustriert wurde er von einer Schwester der Autorin, Yolanda Huneeus, die durch ihre wunderbaren Zeichnungen die auch später für den Jungen typische physische Erscheinung begründete. In kürzester Zeit erscheint das Buch an der Spitze der Bestsellerliste und mehr und mehr Auflagen erscheinen. Papelucho wird nun alle zwei bis drei Jahre zum Protagonisten eines neuen Buches: "Papelucho casi huérfano" (Papelucho beinah Waise) 1951, "Papelucho historiador" (Papelucho der Geschichtsschreiber) 1955, "Papelucho detective" (Papelucho der Detektiv) 1960, "Papelucho en la clínica" (Papelucho im Krankenhaus) 1960, "Papelucho perdido" (Papelucho verirrt sich) 1962, "Mi hermana Ji" (Meine Schwester Ji) 1965 etc. bis zum letzen Band "Soy dix-leso?" im Jahr 1974.
In den sechzig Jahren seit seiner ersten Publikation ist Papelucho nie aus den Buchläden verschwunden, im Gegenteil: noch immer gehört er zu den meistverkauften Büchern in Chile. Berücksichtigt man den Verkauf der kompletten Reihe von ihren Anfängen an und in ihren verschiedenen Ausgaben, so haben sich mehr als fünf Millionen Exemplare des Papelucho verkauft. Zur Zeit wird er von Random House Mondadori in Santiago de Chile mit farbigen Illustrationen von Alex Pelayo verlegt. Die jährlichen Verkaufszahlen der zwölf Bände liegen bei 80 000 Exemplaren. Der Preis beträgt 3.000 chilenische Pesos, 5,70 Dollar, 4,10 Euro.
Papelucho gehörte zur Pflichtlektüre in der Schule als diese Pflicht noch existierte — heute steht er auf der Liste der empfohlenen Bücher und ist sehr präsent in den Klassenzimmern, wie man den Kommentaren entnehmen kann, welche die chilenischen Kinder auf seine Webseite stellen.
Im Ausland
"Papelucho", der erste Band der Reihe, ging schnell ins Ausland. In einer ersten Ausgabe auf Französisch (Colección Rouge et Bleu, Verlag GP, 1952) wurde der Text adaptiert, reich illustriert und in großem Format und Hardcover veröffentlicht. Diese Ausgabe hatte großen Erfolg und erzielte zusammen mit einer zweiten Auflage einen Verkauf von 50.000 Exemplaren.
Die nächste Reise "Papeluchos" ging gen Osten. Der angesehene japanische Verlag Kodansha veröffentlichte ihn mit Illustrationen von Marcela Claro Huneeus, Tochter der Autorin, in einer sorgfältigen Hardcover - Ausgabe und farbig gestalteter Buchkassette. 1980 erscheint eine neue französische Ausgabe, die bis in die neunziger Jahre verschiedene Verlage durchläuft — zuerst Bordas, dann Pocket, später Havas Poche.
Eine griechische Ausgabe wurde 1984 veröffentlicht (Kedros, Athen).
Seit 2006 wird Papelucho auch in Italien durch den Verlag Anicia (Rom) verlegt, bei dem auch bald der zweite Band "Papelucho quasi orfano" (Papelucho wird beinah Waise) erscheinen wird. Beide Bände sind von Yana Bukler sehr schön illustriert. Außerdem wurde von Ende 2006 bis Anfang 2007 in Chile eine zweisprachige Edition in Spanisch/Englisch an den Kiosken verkauft. Eine englische Ausgabe liegt daher nahe.
Preise
Marcela Paz und Papelucho haben zahlreiche Preise gewonnen. Der wichtigste chilenische Literaturpreis, "El Premio Nacional", wurde Marcela Paz 1982 verliehen, wenige Jahre vor ihrem Tod 1985. "Papelucho misionero" (Papelucho als Missionar) erhielt 1968 den Hans-Christian-Andersen-Preis der IBBY (Amrisville, Schweiz).
1976 wurden Auszüge von "Papelucho" in dem offiziellen Lehrbuch für die vierte Klasse in Spanien ("El Bergantín") zusammen mit Textabschnitten aus dem "Kleinen Prinzen" und Werken von Espronceda, Oscar Wilde, Rabindranath Tagore, etc. abgedruckt. Die französische Institution "FOCS-OCL ("Federation des Organismes de Communication Sociale - Office Chrétien du Livre") gab Papelucho einen Platz auf ihrer Liste der 13 besten Bücher des Jahres 1980. Neulich hat auch die erwähnte zweisprachige Ausgabe den Weg in die Ehrenliste der IBBY — Kategorie Übersetzungen — gefunden.
Die Figur und seine Bücher waren der Anstoß zu einer Reihe von Projekten. Passagen wurden als Texte zum Lerneinstieg für Kleinkinder ausgewählt ("Primeros lectores") und in großen, phantasievoll illustrierten Büchern herausgegeben. (Random Mondadori). In einer zehnbändigen Enzyklopädie für Kinder ist es Papelucho, der die jungen Leser durch das Werk führt und motiviert. Das jüngste Projekt ist der Zeichentrickfilm "Papelucho y el marciano" (Papelucho und der Marsmensch), der auf einem der Bücher basiert. In Mexiko besprochen, lockte der Film in wenigen Wochen 200 000 Besucher in die chilenischen Kinosäle. Neben diesem Projekten gab es zahlreiche Theateraufführungen von Papelucho, die von den Kindern begeistert aufgenommen wurden.
Weitere Informationen (in Spanisch) über die Bücherreihen, Möglichkeiten der Beschaffung, über die Autorin, die Gesellschaft "Ediciones Marcela Paz S.A."(Inhaberin der Autorenrechte) und über die aktuellen Projekte usw., können Sie auf der Webpräsenz der Gesellschaft unter www.papelucho.cl und www.marcelapaz.cl finden.
Raúl Claro Huneeus
August 2007